Out of Africa: Der Extreme Norden Kameruns
Vor dem Regenfelsen


Waza Nationalpark
Roumsiki
Mokolo
Pouss
Oudjilla

Das kleine Bergdorf mit der traumhaften Umgebung

Roumsiki ist ein kleines Dorf auf 1100m Höhe, ein Steinwurf entfernt von der Grenze zu Nigeria. Die Landschaft in der Dorfumgebung mit ihren bizarren Felsnadeln ist sehr berühmt und in jedem Prospekt zu finden. Wir finden, daß es aussieht wie eine Märchenlandschaft oder Kulissen. Irgendwie zu schön, um echt zu sein. Das Wort Roumsiki ist abgeleitet aus dem Kapsiki Wort für Berg = Roum und einem Jäger namens Siki, der sich hier niedergelassen hat. Der Berg sollte ihm zwar nur zur Orientierung dienen, aber es gefiel ihm wahrscheinlich schon damals genau so gut, wie uns heute.


Von Maroua fährt man anfangs auf einer guten Teerstraße bis Mokolo. Am Straßenrand sieht man diese wunderbaren Rundhütten. Von dort geht es dann auf einer relativ schlechten Piste nach Roumsiki. Man kann Roumsiki als Tages-Tour von Maroua gut bewältigen, aber sicher nicht uninteressant ist eine Übernachtung z.B. im "Campement de Roumsiki". Von den kleinen Bungalows (Rundhütten) hat man einen schönen Blick auf den "Regenfelsen" und das weite Umland.

Roumsiki hat sich trotz des Tourismus, der hier wohl mal gut funktioniert hat, ein wenig seiner Natürlichkeit behalten. Der Tourismus hat jedoch seine Spuren hinterlassen. Leider ist das wichtigste Wort im Sprachschatz der Kinder "cadeau" = Geschenk. Das hört man schon am Anfang, wenn man noch nicht richtig im Dorf ist. Sie bieten sich alle als Touristenführer an. Das scheint einträglicher zu sein, als in die Schule zu gehen. Ein Rezept gegen die manchmal tierisch nervenden Kinder haben wir noch nicht gefunden. Man hat auch nicht für jede Nervensäge einen Stift (begehrtestes Geschenk) dabei. Nach der anstrengenden Piste hatten wir uns erst mal eine Cola im Restaurant "La Casserolle" verdient. Diese Kneipe ist wohl die einzige im Dorf und liegt ziemlich in der Mitte des Ortes. Schon wenn man sich an den Tisch setzt und neben einem die Schweine gemütlich in der Sonne grunzen, weiß man, daß diese Wirtschaft was ganz Besonderes sein muß. Manchmal kommen dann auch noch die Ziegen durch das Restaurant gelaufen. Das ist schon witzig, wenn man nicht allzu empfindlich ist. Die Auswahl beschränkt sich zwar wie immer auf Hühnchen, Steak, Erdnußsauce und wenige andere afrikanische Gerichte, aber das Essen ist trotzdem gut und "ungefährlich" und man ist froh, wenn man hier überhaupt was genießbares findet.

Nachdem wir uns so richtig gestärkt hatten, haben wir einen Dorfrundgang unternommen. Wie es der Zufall wollte, war auch gerade jemand gestorben, so daß wir einer Trauerfeier zuschauen konnten. Eine außergwöhnliche Stelle nimmt hier der Totenkult der Kapsikis ein. Beim Tod eines Angehörigen wird der verstorbene mit Federn geschmückt und im Saré der Familie aufgebahrt. Mehrere Tage dauern die Tänze, bevor die Beerdingung stattfindet. Die Leute haben dabei Stöcke in der Hand und alle sind bunt angezogen. Sie tanzen und singen bis zur Erschöpfung. Das ist für uns schon echt schwer zu verstehen, wie das so alles mit den Traditionen funktioniert und warum man z.B. eine Beerdigung größer feiert als eine Hochzeit oder Geburt. Speziell hier in den Bergdörfern weit ab von der "Zivilisation" glauben die Menschen noch an ganz andere Sachen (Ahnen- und Naturglauben). Götter, Magie, und Wahrsager spielen hier eine zentrale Rolle im Dorfleben. Nur die Jüngeren, die eine Schule besucht haben, treten allmählich zum Christentum über. Viele sind "Christ-Animist".

KrabbenzaubererDer Ort wurde deshalb nicht zuletzt durch das "Krabbenorakel" berühmt. Der Krabbenzauberer gehört neben dem Dorfältesten, dem politschen und religiösen Oberhaupt zu den 4 wichtigsten Persönlichkeiten von Roumsiki. Der Krabbenzauberer soll mittels seiner seherischen Fähigkeiten Auskunft über die Zukunft des Dorfes geben können. Wir wollten natürlich wissen, was uns die Zukunft so bringt. Hier macht sich spätestens der Führer bezahlt, den wir in der Kneipe aufgelesen haben. Der alte Krabbenzauberer spricht nämlich keine lebende Sprache und so braucht man einen Übersetzer. Um in die Zukunft zu schauen, muß man dem Zauberer eine Frage stellen. Was wir den Hellseher gefragt haben, wird natürlich nicht verraten. Dann nimmt er eine Krabbe und setzt sie in eine mit Sand gefüllte Kalebassenhälfte. Im Sand stecken verschiedene kleine Holz- und Kalebassenteile. Die Kalebasse wird dann zugedeckt und die Krabbe unter dem Deckel einige Minuten im Dunkeln gelassen. Wenn der Hellseher den Deckel dann wieder öffnet, hat die Krabbe die Holz- und Kalebassenteile umgeworfen. Aus der Lage der Teilchen liest er nun die Antwort auf die Frage. Praktisch, nicht wahr? (Ob das auch mit Lottozahlen geht?) :-))) Am Schluß erteilt er jedem seinen Segen, indem er dir auf die Schuhspitze spuckt. Einen kleinen Obulus möchte der Mann dann auch haben....Wir hatten aber nur noch ein paar Kekse dabei, die er aber auch dankend angenommen hat (so eine bunte Packung scheint er noch nie vorher gesehen zu haben!). Kleingeld ist hier immer knapp. Auf jeden Fall war es interessant zu sehen, wie er seine Zauberkünste vorführt. (2002, mit dem Update der Seiten ist vielleicht noch interessant, daß die Vorhersage, daß eine Freundin bald ein Kind bekäme, wirklich eingetroffen ist!)

Weiter gings auf unserem Dorfrundgang zu den Spinnerinnen und den Webern. Die Frauen sind mit dem Spinnen von Baumwolle beschäftigt, wohingegen die Männer an traditionellen Webstühlen lange, schmale Baumwollstreifen weben. Die Baumwollstreifen werden später zu Decken und Kleidern zusammengenäht. Das ist schon eine sehr schwierige Arbeit, die diese Frauen da machen. Susan kann das nur bestätigen, als sie versucht hat, mal einige Zentimeter Baumwollfaden zu spinnen. Die Frauen haben eine wirklich witzige Technik. In der einen Hand halten sie das Baumwollbündel, mit der anderen lassen sie eine Art Stöckchen mit Gewicht rotieren. Wenn das Ding dann rotiert, zupfen sie die Baumwolle und bringen sie zu einem Faden zusammen. Daß die industrielle Revolution des 19. Jh. hier vorbeigegangen ist, kann man sehr schön an den super Webstühlen sehen. So haben die Leute bestimmt schon seit sehr langer Zeit ihre Stoffe gemacht. Und es funktioniert, wie man sieht, gut. Schön ist auch, daß die Weber und Spinnerinnen nicht nur da sitzen, weil wir gerade da waren.

Man kann nur sagen, ein Besuch Roumsikis und seiner Umgebung lohnt sich nicht nur wegen seiner landschaftlichen Eindrücke, sondern auch wegen der Menschen und ihrer interessanten Tradition.

 

Auf dem Rückweg konnten wir noch einen einmalig schönen Sonnenuntergang bewundern. Postkartenreif, oder?
Sonnenuntergang "Frauen-Glück" Sonnenuntergang

Mokolo

Mokolo, die kleine ruhige Stadt liegt auf dem Weg von Maroua nach Roumsiki. Am 20. Mai 1998, dem kamerunsichen Nationalfeiertag, haben wir hier die Feierlichkeiten verfolgt. Auf dem Sportplatz hatten sich tausende Menschen eingefunden, um ihren Feiertag zu begehen. Viele kleine Tanz- und Musikgruppen haben dabei "Ihr Dorf" mit Tänzen und Musik repräsentiert. Zur Verwunderung der Leute habe ich mich mit meinem Fotoapparat auf dem Gerüst eines Baskettball-Korbes installiert. Von hier hatte man die allerbeste Sicht auf das bunte Treiben. Wir haben uns dann ein wenig unter das Volk gemischt. Umringt von einer Menschengruppe habe ich versucht, die berühmten "Kalebassen-Frauen" (die kommen aus dem Ort namens Tourou und haben Kalebassen-Hälften als Kopfbedeckung) bei ihrem Tanz zu fotografieren, doch ständig hatte so ein Taschendieb seine Hände in meiner Hosentasche. Zum Glück ist mein Geldbeutel mit einer Kette an der Hose befestigt. Ich habe mich dann umgedreht und diesen kleinen Sauhund angeschaut nach dem Motto: "Ich weiß, was du vorhast". Doch kaum hatte ich mich umgedreht und wieder beide Hände an der Kamera, hat er es wieder versucht. Das ist eben Kamerun. Hier sind manche Leute so unverschämt, daß man es gar nicht wahrhaben will.

Das zweite Mal waren wir mit Mutter Zimmermann dann noch einmal in Mokolo. Wieder auf dem Rückweg von Roumsiki haben wir uns dieses Mal den Markt angeschaut. Die Märkte im Norden sind richtig berühmt, man muß nur immer den richtigen Tag erwischen - den Markttag eben. Wir hatten zum Glück auch wieder einen Führer dabei, der uns alles gut erklären konnte und die Leute beruhigt hatte, wenn man ein paar Fotos schießen wollte. Aber was uns besonders aufgefallen ist, daß man hier im allgemeinen viel gastfreundlicher ist als in anderen Landesteilen. Auf dem Markt haben wir uns trotz der vielen Menschen sehr wohlgefühlt und das ein oder andere Neue erfahren.

 

Susan hat zusammen mit Mutti ganz eifrig um das eine oder andere "Souvenir für Deutschland" gefeilscht. Wir haben ein paar schöne Kunsthandwerkssachen gekauft, die jetzt die Wohnzimmer in Deutschland zieren. Wenn auf einem solchen Markt so viele Meschen zusammenkommen, kann man immer etwas Kurioses sehen und erleben, wie z.B. die eine steinalte Frau mit einer nicht gerade kleinen Tabakpfeife im Mund. Besondere Bewunderung hatten wir immer für die Frauen und Kinder, die riesige Stämme, große Wasserkrüge und andere schwere Sachen auf dem Kopf tragen, als wenn es nichts wäre. Eingefangen in einem Foto haben wir ein paar Frauen, am Ortseingang von Mokolo. Auto auf =>Foto => Auto zu.

Hütten am Wegrand

Hütten einer Familie

Unterwegs mit Freunden

Blick aus dem Restaurant

Die Kneipe "La Casserolle "

"Trauerfeier"

Frauen beim Spinnen

Mann beim Weben














 ----- Mokolo -----

20.  Mai-Nationalfeiertag

Kamerun-Pyramide

Rita auf dem Markt

Buntes Treiben und kaum ein Durchkommen

Markt in Mokolo

Schwere Last

Rita im Baumwollfeld


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