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Von Maroua fährt man anfangs auf einer guten Teerstraße
bis Mokolo. Am Straßenrand sieht man diese wunderbaren Rundhütten.
Von dort geht es dann auf einer relativ schlechten Piste nach Roumsiki.
Man kann Roumsiki als Tages-Tour von Maroua gut bewältigen,
aber sicher nicht uninteressant ist eine Übernachtung z.B.
im "Campement de Roumsiki". Von den kleinen Bungalows
(Rundhütten) hat man einen schönen Blick auf den "Regenfelsen"
und das weite Umland.
Roumsiki hat sich trotz des Tourismus, der hier wohl mal gut funktioniert
hat, ein wenig seiner Natürlichkeit behalten. Der Tourismus
hat jedoch seine Spuren hinterlassen. Leider ist das wichtigste
Wort im Sprachschatz der Kinder "cadeau" = Geschenk. Das
hört man schon am Anfang, wenn man noch nicht richtig im Dorf
ist. Sie bieten sich alle als Touristenführer an. Das scheint
einträglicher zu sein, als in die Schule zu gehen. Ein Rezept
gegen die manchmal tierisch nervenden Kinder haben wir noch nicht
gefunden. Man hat auch nicht für jede Nervensäge einen
Stift (begehrtestes Geschenk) dabei. Nach der anstrengenden Piste
hatten wir uns erst mal eine Cola im Restaurant "La Casserolle"
verdient. Diese Kneipe ist wohl die einzige im Dorf und liegt ziemlich
in der Mitte des Ortes. Schon wenn man sich an den Tisch setzt und
neben einem die Schweine gemütlich in der Sonne grunzen, weiß
man, daß diese Wirtschaft was ganz Besonderes sein muß.
Manchmal kommen dann auch noch die Ziegen durch das Restaurant gelaufen.
Das ist schon witzig, wenn man nicht allzu empfindlich ist. Die
Auswahl beschränkt sich zwar wie immer auf Hühnchen, Steak,
Erdnußsauce und wenige andere afrikanische Gerichte, aber
das Essen ist trotzdem gut und "ungefährlich" und
man ist froh, wenn man hier überhaupt was genießbares
findet.
Nachdem wir uns so richtig gestärkt hatten,
haben wir einen Dorfrundgang unternommen. Wie es der Zufall wollte,
war auch gerade jemand gestorben, so daß wir einer Trauerfeier
zuschauen konnten. Eine außergwöhnliche Stelle nimmt
hier der Totenkult der Kapsikis ein. Beim Tod eines Angehörigen
wird der verstorbene mit Federn geschmückt und im Saré
der Familie aufgebahrt. Mehrere Tage dauern die Tänze, bevor
die Beerdingung stattfindet. Die Leute haben dabei Stöcke in
der Hand und alle sind bunt angezogen. Sie tanzen und singen bis
zur Erschöpfung. Das ist für uns schon echt schwer zu
verstehen, wie das so alles mit den Traditionen funktioniert und
warum man z.B. eine Beerdigung größer feiert als eine
Hochzeit oder Geburt. Speziell hier in den Bergdörfern weit
ab von der "Zivilisation" glauben die Menschen noch an
ganz andere Sachen (Ahnen- und Naturglauben). Götter, Magie,
und Wahrsager spielen hier eine zentrale Rolle im Dorfleben. Nur
die Jüngeren, die eine Schule besucht haben, treten allmählich
zum Christentum über. Viele sind "Christ-Animist".
Der
Ort wurde deshalb nicht zuletzt durch das "Krabbenorakel"
berühmt. Der Krabbenzauberer gehört neben dem Dorfältesten,
dem politschen und religiösen Oberhaupt zu den 4 wichtigsten
Persönlichkeiten von Roumsiki. Der Krabbenzauberer soll mittels
seiner seherischen Fähigkeiten Auskunft über die Zukunft
des Dorfes geben können. Wir wollten natürlich wissen,
was uns die Zukunft so bringt. Hier macht sich spätestens der
Führer bezahlt, den wir in der Kneipe aufgelesen haben. Der
alte Krabbenzauberer spricht nämlich keine lebende Sprache
und so braucht man einen Übersetzer. Um in die Zukunft zu schauen,
muß man dem Zauberer eine Frage stellen. Was wir den Hellseher
gefragt haben, wird natürlich nicht verraten. Dann nimmt er
eine Krabbe und setzt sie in eine mit Sand gefüllte Kalebassenhälfte.
Im Sand stecken verschiedene kleine Holz- und Kalebassenteile. Die
Kalebasse wird dann zugedeckt und die Krabbe unter dem Deckel einige
Minuten im Dunkeln gelassen. Wenn der Hellseher den Deckel dann
wieder öffnet, hat die Krabbe die Holz- und Kalebassenteile
umgeworfen. Aus der Lage der Teilchen liest er nun die Antwort auf
die Frage. Praktisch, nicht wahr? (Ob das auch mit Lottozahlen geht?)
:-))) Am Schluß erteilt er jedem seinen Segen, indem er dir
auf die Schuhspitze spuckt. Einen kleinen Obulus möchte der
Mann dann auch haben....Wir hatten aber nur noch ein paar Kekse
dabei, die er aber auch dankend angenommen hat (so eine bunte Packung
scheint er noch nie vorher gesehen zu haben!). Kleingeld ist hier
immer knapp. Auf jeden Fall war es interessant zu sehen, wie er
seine Zauberkünste vorführt. (2002, mit dem Update der
Seiten ist vielleicht noch interessant, daß die Vorhersage,
daß eine Freundin bald ein Kind bekäme, wirklich eingetroffen
ist!)
Weiter gings auf unserem Dorfrundgang zu den Spinnerinnen
und den Webern. Die Frauen sind mit dem Spinnen von Baumwolle beschäftigt,
wohingegen die Männer an traditionellen Webstühlen lange,
schmale Baumwollstreifen weben. Die Baumwollstreifen werden später
zu Decken und Kleidern zusammengenäht. Das ist schon eine sehr
schwierige Arbeit, die diese Frauen da machen. Susan kann das nur
bestätigen, als sie versucht hat, mal einige Zentimeter Baumwollfaden
zu spinnen. Die Frauen haben eine wirklich witzige Technik. In der
einen Hand halten sie das Baumwollbündel, mit der anderen lassen
sie eine Art Stöckchen mit Gewicht rotieren. Wenn das Ding
dann rotiert, zupfen sie die Baumwolle und bringen sie zu einem
Faden zusammen. Daß die industrielle Revolution des 19. Jh.
hier vorbeigegangen ist, kann man sehr schön an den super Webstühlen
sehen. So haben die Leute bestimmt schon seit sehr langer Zeit ihre
Stoffe gemacht. Und es funktioniert, wie man sieht, gut. Schön
ist auch, daß die Weber und Spinnerinnen nicht nur da sitzen,
weil wir gerade da waren.
Man kann nur sagen, ein Besuch Roumsikis und seiner Umgebung lohnt
sich nicht nur wegen seiner landschaftlichen Eindrücke, sondern
auch wegen der Menschen und ihrer interessanten Tradition.
| Auf dem Rückweg konnten wir noch einen einmalig
schönen Sonnenuntergang bewundern. Postkartenreif, oder? |
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Mokolo
Mokolo, die kleine ruhige Stadt liegt auf dem Weg von Maroua nach
Roumsiki. Am 20. Mai 1998, dem kamerunsichen Nationalfeiertag, haben
wir hier die Feierlichkeiten verfolgt. Auf dem Sportplatz hatten
sich tausende Menschen eingefunden, um ihren Feiertag zu begehen.
Viele kleine Tanz- und Musikgruppen haben dabei "Ihr Dorf"
mit Tänzen und Musik repräsentiert. Zur Verwunderung der
Leute habe ich mich mit meinem Fotoapparat auf dem Gerüst eines
Baskettball-Korbes installiert. Von hier hatte man die allerbeste
Sicht auf das bunte Treiben. Wir haben uns dann ein wenig unter
das Volk gemischt. Umringt von einer Menschengruppe habe ich versucht,
die berühmten "Kalebassen-Frauen" (die kommen aus
dem Ort namens Tourou und haben Kalebassen-Hälften als Kopfbedeckung)
bei ihrem Tanz zu fotografieren, doch ständig hatte so ein
Taschendieb seine Hände in meiner Hosentasche. Zum Glück
ist mein Geldbeutel mit einer Kette an der Hose befestigt. Ich habe
mich dann umgedreht und diesen kleinen Sauhund angeschaut nach dem
Motto: "Ich weiß, was du vorhast". Doch kaum hatte
ich mich umgedreht und wieder beide Hände an der Kamera, hat
er es wieder versucht. Das ist eben Kamerun. Hier sind manche Leute
so unverschämt, daß man es gar nicht wahrhaben will.
Das zweite Mal waren wir mit Mutter Zimmermann dann noch einmal
in Mokolo. Wieder auf dem Rückweg von Roumsiki haben wir uns
dieses Mal den Markt angeschaut. Die Märkte im Norden sind
richtig berühmt, man muß nur immer den richtigen Tag
erwischen - den Markttag eben. Wir hatten zum Glück auch wieder
einen Führer dabei, der uns alles gut erklären konnte
und die Leute beruhigt hatte, wenn man ein paar Fotos schießen
wollte. Aber was uns besonders aufgefallen ist, daß man hier
im allgemeinen viel gastfreundlicher ist als in anderen Landesteilen.
Auf dem Markt haben wir uns trotz der vielen Menschen sehr wohlgefühlt
und das ein oder andere Neue erfahren.
Susan hat zusammen mit Mutti ganz eifrig um das eine oder andere
"Souvenir für Deutschland" gefeilscht. Wir haben ein paar
schöne Kunsthandwerkssachen gekauft, die jetzt die Wohnzimmer
in Deutschland zieren. Wenn auf einem solchen Markt so viele Meschen
zusammenkommen, kann man immer etwas Kurioses sehen und erleben,
wie z.B. die eine steinalte Frau mit einer nicht gerade kleinen
Tabakpfeife im Mund. Besondere Bewunderung hatten wir immer für
die Frauen und Kinder, die riesige Stämme, große Wasserkrüge
und andere schwere Sachen auf dem Kopf tragen, als wenn es nichts
wäre. Eingefangen in einem Foto haben wir ein paar Frauen,
am Ortseingang von Mokolo. Auto auf =>Foto => Auto
zu.
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----- Mokolo -----







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