Die Provinzen Norden und Adamaoua


Ngaoundéré
Bénoué-Nationalpark

 

Mit dem Zug von Jaunde nach Ngaoundéré

Frau aus dem NordenDie letzte größere Tour führte uns nun zum Glück doch noch in der Norden bzw. die Provinz Adamaoua. Schon sehr lange hatten wir uns vorgenommen, einmal mit dem Zug nach Ngaoundéré zu fahren. Das Osterwochenende 2000 machte es möglich und so bin ich mit 3 Freunden vom Montags-Stammtisch (Jan, Wolfgang und Herfried) nach Ngaoundéré gefahren. Dank eines Freundes, welcher hier für Siemens die Kommunikationstechnik der Bahn installiert, mussten wir uns nicht einmal um das Ticket kümmern. Nach einer kleinen Stärkung mit einem gepflegten Bier ging die Tour im Siemens-Büro los.

Als wir den Bahnhof betraten, fiel mir gleich eine gewisse Ordnung auf, die es vor der Privatisierung nicht gegeben hatte. Damals herrschte das absolute Chaos. Überfälle und zum Teil erhebliche Verspätungen schreckten mit Sicherheit so manchen davon ab, mit dem Zug zu fahren. Wir hatten zwei 2er-Abteile nebeneinander gebucht. Sie waren, wie ich erstaunt feststellen mußte, sehr sauber und machten einen guten Eindruck. Jan und ich teilten uns ein 2-er Abteil, Herfried und Wolfgang machten es sich im Abteil nebenan gemütlich. Früher müssen die Abteile auch mal klimatisiert gewesen sein, aber heute funktioniert nicht mal der Ventilator im Abteil. Uns hat das wenig gestört, da der Zug Yaoundé Hauptbahnhof gegen 18.40 Uhr verließ und die kühle Nacht die Klimaanlage überflüssig machte. Wir haben noch lange aus dem Fenster geschaut, geredet und unsere kleinen Späße mit unserem Freund Herfried gemacht. Er ist als Berater für die Eisenbahn hier tätig ist, und betreut unter anderem die Gleisreparaturen des Streckenabschnitts bei Obala. Alles nach dem Motto "sag mal, ist das nicht dein Bauabschnitt? Warum holpert es denn hier so stark?". Wir hatten auf jedenfall schon am Anfang unserer Tour viel Spaß. Vielleicht auch, weil es gekühlte Getränke und sogar eine Menükarte gab. Ein Versuch im Speisewagen etwas zu essen, mußten wir mit der Erkenntnis, daß auch diese Plätze verkauft waren, abbrechen. Man konnte sich jedoch alles ins Abteil bringen lassen. Die Nacht haben wir alle mehr oder weniger gut verbracht und bei Sonnenaufgang waren wir kurz vor Ngaoundal. Mit ca. 2 Stunden Verspätung sind wir dann gegen 10.30 Uhr in Ngaoundéré, dem Ende der Tanscamerounaise, angekommen. Ohne Probleme und sehr überrascht, wie gut das mit der Fahrt geklappt hat, sind wir ausgestiegen. Wolfgang hat sich an einen alten Baustellen-Freund in Ngaoundéré erinnert, den er vor unserer Abreise telefonisch als unseren Chauffeur engagierte. Dieser wartete bei unserer Ankunft bereits vor dem Bahnhof und kam direkt und zielsicher auf uns zu. Was für ein timing! Wir fuhren erst in unser Hotel namens Transcam, um nach einer kleinen Stärkung Ngaoundéré und die Umgebung zu erkunden.

Ngaoundéré
als Hauptstadt der Provinz Adamaoua ist einem, gerade wenn man aus dem Süden kommt, auf Anhieb irgendwie sympathisch. Die moslemisch geprägte Stadt macht auf den ersten Blick einen ruhigen und eher beschaulichen Eindruck. Man hat auch das Gefühl, daß alles ein wenig sauberer ist als in Yaoundé zum Beispiel. Viele Häuser, das fiel uns sofort auf, waren ganz neu gestrichen. Des Rätsels Lösung: der Präsident war zu Besuch und hatte wahrscheinlich mal ein paar Eimer "Freifarbe" in den Norden geschickt. Ngaoundéré liegt auf ca. 1200m, was das Klima sehr angenehm macht. Es gibt zwar nicht gerade viel zu sehen, aber einige Dinge sollte man sich schon anschauen. Der große Markt zum Beispiel befindet sich in einem großen Gebäude mit Innenhof. Hier bieten die Händler täglich ihre Waren an. Vor dem Grande Marché kann man viele Buschtaxis sehen, die auf Fahrgäste warten oder von den Fahrern gewaschen werden. Probleme mit dem Fotografieren gab es nicht. Wir hatten ja auch ständig unseren Fahrer und Begleiter dabei, den hier scheinbar jeder kennt.

Buschtaxis Flamboyant C'est la vie

Unser Fahrer hatte uns vorgeschlagen, auf der Strecke nach Meiganga die Ranch
http://www.ngaoundaba.com vom Ngaoundaba zu besuchen. Sie liegt ungefähr 35 km entfernt von Ngaoundéré und ist über eine recht gute Piste zu erreichen. Eine sehr gemütliche Atmosphäre und ein schöner Blick auf einen Kratersee machen die Gästefarm sehr einladend. Das Innere des Haupthauses ist sehr rustikal, aber super schön eingerichtet. An den Wänden hängen Jagdtrophäen und in einer Ecke des Hauses brannte der Kamin. Die Ranch liegt auf 1360m Höhe und gerade an diesem Tag war es ein wenig regnerisch und kalt. Jan und ich wussten, daß es auch im sonst so heißen Norden kalt werden kann. Also hatten wir unseren einzigen langen Pullover zwar dabei, aber im Hotel vergessen. Das war aber nicht so wild, da wir uns von innen immer noch gut aufwärmen konnten. Rund um das Haupthaus sind einige Boukarous angeordnet, die für knapp 40,-- DM zur Übernachtung zur Verfügung stehen. Alles in allem war es sehr schön auf der Ranch, auch wenn der verkommene Tennisplatz am Eingang auf bessere Tage schließen lässt. Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Abstecher zu den Chûtes de la Vina gemacht. Diese Wasserfälle waren aber eher unspektakulär, nicht zu letzt weil der Fluß nur wenig Wasser führte. Zurück in Ngaoundéré haben wir den Tag mit einem exzellenten Essen im "La Plazza" ausklingen lassen. Das Restaurant ist eine echte Empfehlung.

Am nächsten Morgen haben wir uns den Lamido-Palast von Ngaoundéré angesehen. Einmal mehr hatten sich Wolfgangs Beziehungen bezahlt gemacht, denn unser Fahrer war überall bekannt wie ein bunter Hund. Ein paar Worte von ihm und schon war alles geritzt und wir haben den Palast besichtigt. In der "Schleuse", in der die Leibwache des Lamidos wohnt und wacht, war dann auch für uns Schluß. Weiter geht es wahrscheinlich nur mit einem Speer im Rücken. Gegenüber des Lamido-Palastes befindet sich die Große Moschee von Ngaoundéré. Jetzt wurde es aber höchste Zeit, daß wir uns auf den Weg in den Bénoué-Nationalpark machten.

Die Rückfahrt
begann schon am Bahnhof etwas chaotischer als noch in Jaunde. Die ganze Bahnhofshalle war voller Menschen, die einen Haufen Lebensmittel nach Jaunde bringen wollten. Vor allem der Gestank der Trockenfische aus dem Tschadsee machte uns zu schaffen. Aus einigen Taschen lief das Blut vom Fleisch irdendwelcher Tiere heraus. Aus anderen randvollen Taschen kamen Gerüche, die man nicht zuordnen konnte. Am Ausgang auf dem Bahnsteig wollte dann noch ein Polizist unsere Ausweise sehen, die wir ihm mit Vergnügen unter die Nase gehalten haben. Als er jedoch Herfried mit seinem Bahnausweis gesehen hatte, wollte er am liebsten auf die Knie fallen.So ein kleines unscheinbares Plastikkärtchen! Ein wenig Aufregung hatten wir, als man Jan und mir nicht das reservierte 2er-Abteil geben wollte, sondern jeden in ein Abteil zusammen mit Kamerunern stecken wollte. Da war es aus. Kurz entschlossen belegten wir das letzte freie Abteil. Bald darauf kam es dann, wie es kommen mußte: ein anderer hatte eine Reservierung für dieses Abteil. Um es kurz zu machen, hat Jan den anderen Fahrgast und den Platzanweiser davon überzeugt, daß er doch in das Abteil kann, wo einer von uns erst schlafen sollte. So hatten wir das erste Problem gelöst. Das zweite Problem war, es gab keinen Strom im ganzen Zug und so war es schon nach wenigen Kilometern stockfinster. Dazu kam dann noch Problem 3, das wir nicht lösen konnten: unser Waggon hing direkt hinter dem Wagen, in dem all die "leckeren" Sachen transportiert wurden. Der Gestank von Stockfisch war enorm und mit einem Hauch Urin und Schweiß war die perfekte Mischung zum Kotzen fast fertig.

Die Nacht haben wir dann dennoch sehr gut verbracht, da die Schienen im Norden doch wesentlich besser sind. Als die Sonne aufging, mussten wir allerdings feststellen, daß wir noch recht weit von Jaunde entfernt waren. Zudem wurde es jetzt immer heißer und der Zug immer langsamer. Die oben beschriebenen Gerüche wurden echt zur Qual. Also zündeten wir eine Zigarette an, damit man einen definierten Geruch hatte. Mit 5 Stunden Verspätung sind wir dann in Jaunde Hauptbahnhof eingefahren. Zusammenfassend, und da waren wir uns alle einig, war es eine sehr sehr schöne Tour. Wir haben in den 4 Tagen viel erlebt und bis auf die Rückfahrt war einfach alles perfekt.

Auf ein Bier

2-Mann-Abteil

Ngaoudal

Landschaft eben...

Hütten an der Strecke

Ngaoundere

Großer Markt

Blick von der Ranch aus

Chutes de la Vina

Lamido Innenhof

Teil der gr. Moschee

TransCam

Hütten am Gleis

Gut geschlafen?


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