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Als wir den Bahnhof betraten, fiel mir gleich eine
gewisse Ordnung auf, die es vor der Privatisierung nicht gegeben
hatte. Damals herrschte das absolute Chaos. Überfälle
und zum Teil erhebliche Verspätungen schreckten mit Sicherheit
so manchen davon ab, mit dem Zug zu fahren. Wir hatten zwei 2er-Abteile
nebeneinander gebucht. Sie waren, wie ich erstaunt feststellen mußte,
sehr sauber und machten einen guten Eindruck. Jan und ich teilten
uns ein 2-er Abteil, Herfried und Wolfgang machten es sich im Abteil
nebenan gemütlich. Früher müssen die Abteile auch
mal klimatisiert gewesen sein, aber heute funktioniert nicht mal
der Ventilator im Abteil. Uns hat das wenig gestört, da der
Zug Yaoundé Hauptbahnhof gegen 18.40 Uhr verließ und
die kühle Nacht die Klimaanlage überflüssig machte.
Wir haben noch lange aus dem Fenster geschaut, geredet und unsere
kleinen Späße mit unserem Freund Herfried gemacht. Er
ist als Berater für die Eisenbahn hier tätig ist, und
betreut unter anderem die Gleisreparaturen des Streckenabschnitts
bei Obala. Alles nach dem Motto "sag mal, ist das nicht dein
Bauabschnitt? Warum holpert es denn hier so stark?". Wir hatten
auf jedenfall schon am Anfang unserer Tour viel Spaß. Vielleicht
auch, weil es gekühlte Getränke und sogar eine Menükarte
gab. Ein Versuch im Speisewagen etwas zu essen, mußten wir
mit der Erkenntnis, daß auch diese Plätze verkauft waren,
abbrechen. Man konnte sich jedoch alles ins Abteil bringen lassen.
Die Nacht haben wir alle mehr oder weniger gut verbracht und bei
Sonnenaufgang waren wir kurz vor Ngaoundal. Mit ca. 2 Stunden Verspätung
sind wir dann gegen 10.30 Uhr in Ngaoundéré, dem Ende
der Tanscamerounaise, angekommen. Ohne Probleme und sehr überrascht,
wie gut das mit der Fahrt geklappt hat, sind wir ausgestiegen. Wolfgang
hat sich an einen alten Baustellen-Freund in Ngaoundéré
erinnert, den er vor unserer Abreise telefonisch als unseren Chauffeur
engagierte. Dieser wartete bei unserer Ankunft bereits vor dem Bahnhof
und kam direkt und zielsicher auf uns zu. Was für ein timing!
Wir fuhren erst in unser Hotel namens Transcam, um nach einer kleinen
Stärkung Ngaoundéré und die Umgebung zu erkunden.
Ngaoundéré
als Hauptstadt der Provinz Adamaoua ist einem, gerade wenn man
aus dem Süden kommt, auf Anhieb irgendwie sympathisch. Die
moslemisch geprägte Stadt macht auf den ersten Blick einen
ruhigen und eher beschaulichen Eindruck. Man hat auch das Gefühl,
daß alles ein wenig sauberer ist als in Yaoundé zum
Beispiel. Viele Häuser, das fiel uns sofort auf, waren ganz
neu gestrichen. Des Rätsels Lösung: der Präsident
war zu Besuch und hatte wahrscheinlich mal ein paar Eimer "Freifarbe"
in den Norden geschickt. Ngaoundéré liegt auf ca.
1200m, was das Klima sehr angenehm macht. Es gibt zwar nicht gerade
viel zu sehen, aber einige Dinge sollte man sich schon anschauen.
Der große Markt zum Beispiel befindet sich in einem großen
Gebäude mit Innenhof. Hier bieten die Händler täglich
ihre Waren an. Vor dem Grande Marché kann man viele Buschtaxis
sehen, die auf Fahrgäste warten oder von den Fahrern gewaschen
werden. Probleme mit dem Fotografieren gab es nicht. Wir hatten
ja auch ständig unseren Fahrer und Begleiter dabei, den hier
scheinbar jeder kennt.
Unser Fahrer hatte uns vorgeschlagen, auf der Strecke
nach Meiganga die Ranch
http://www.ngaoundaba.com
vom Ngaoundaba zu besuchen. Sie liegt ungefähr 35 km entfernt
von Ngaoundéré und ist über eine recht gute Piste
zu erreichen. Eine sehr gemütliche Atmosphäre und ein
schöner Blick auf einen Kratersee machen die Gästefarm
sehr einladend. Das Innere des Haupthauses ist sehr rustikal, aber
super schön eingerichtet. An den Wänden hängen Jagdtrophäen
und in einer Ecke des Hauses brannte der Kamin. Die Ranch liegt
auf 1360m Höhe und gerade an diesem Tag war es ein wenig regnerisch
und kalt. Jan und ich wussten, daß es auch im sonst so heißen
Norden kalt werden kann. Also hatten wir unseren einzigen langen
Pullover zwar dabei, aber im Hotel vergessen. Das war aber nicht
so wild, da wir uns von innen immer noch gut aufwärmen konnten.
Rund um das Haupthaus sind einige Boukarous angeordnet, die für
knapp 40,-- DM zur Übernachtung zur Verfügung stehen.
Alles in allem war es sehr schön auf der Ranch, auch wenn der
verkommene Tennisplatz am Eingang auf bessere Tage schließen
lässt. Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Abstecher
zu den Chûtes de la Vina gemacht. Diese Wasserfälle waren
aber eher unspektakulär, nicht zu letzt weil der Fluß
nur wenig Wasser führte. Zurück in Ngaoundéré
haben wir den Tag mit einem exzellenten Essen im "La Plazza"
ausklingen lassen. Das Restaurant ist eine echte Empfehlung.
Am nächsten Morgen haben wir uns den Lamido-Palast
von Ngaoundéré angesehen. Einmal mehr hatten sich
Wolfgangs Beziehungen bezahlt gemacht, denn unser Fahrer war überall
bekannt wie ein bunter Hund. Ein paar Worte von ihm und schon war
alles geritzt und wir haben den Palast besichtigt. In der "Schleuse",
in der die Leibwache des Lamidos wohnt und wacht, war dann auch
für uns Schluß. Weiter geht es wahrscheinlich nur mit
einem Speer im Rücken. Gegenüber des Lamido-Palastes befindet
sich die Große Moschee von Ngaoundéré. Jetzt
wurde es aber höchste Zeit, daß wir uns auf den Weg in
den Bénoué-Nationalpark machten.
Die Rückfahrt
begann schon am Bahnhof etwas chaotischer als noch in Jaunde. Die
ganze Bahnhofshalle war voller Menschen, die einen Haufen Lebensmittel
nach Jaunde bringen wollten. Vor allem der Gestank der Trockenfische
aus dem Tschadsee machte uns zu schaffen. Aus einigen Taschen lief
das Blut vom Fleisch irdendwelcher Tiere heraus. Aus anderen randvollen
Taschen kamen Gerüche, die man nicht zuordnen konnte. Am Ausgang
auf dem Bahnsteig wollte dann noch ein Polizist unsere Ausweise
sehen, die wir ihm mit Vergnügen unter die Nase gehalten haben.
Als er jedoch Herfried mit seinem Bahnausweis gesehen hatte, wollte
er am liebsten auf die Knie fallen.So ein kleines unscheinbares
Plastikkärtchen! Ein wenig Aufregung hatten wir, als man Jan
und mir nicht das reservierte 2er-Abteil geben wollte, sondern jeden
in ein Abteil zusammen mit Kamerunern stecken wollte. Da war es
aus. Kurz entschlossen belegten wir das letzte freie Abteil. Bald
darauf kam es dann, wie es kommen mußte: ein anderer hatte
eine Reservierung für dieses Abteil. Um es kurz zu machen,
hat Jan den anderen Fahrgast und den Platzanweiser davon überzeugt,
daß er doch in das Abteil kann, wo einer von uns erst schlafen
sollte. So hatten wir das erste Problem gelöst. Das zweite
Problem war, es gab keinen Strom im ganzen Zug und so war es schon
nach wenigen Kilometern stockfinster. Dazu kam dann noch Problem
3, das wir nicht lösen konnten: unser Waggon hing direkt hinter
dem Wagen, in dem all die "leckeren" Sachen transportiert
wurden. Der Gestank von Stockfisch war enorm und mit einem Hauch
Urin und Schweiß war die perfekte Mischung zum Kotzen fast
fertig.
Die Nacht haben wir dann dennoch sehr gut verbracht, da die Schienen
im Norden doch wesentlich besser sind. Als die Sonne aufging, mussten
wir allerdings feststellen, daß wir noch recht weit von Jaunde
entfernt waren. Zudem wurde es jetzt immer heißer und der
Zug immer langsamer. Die oben beschriebenen Gerüche wurden
echt zur Qual. Also zündeten wir eine Zigarette an, damit man
einen definierten Geruch hatte. Mit 5 Stunden Verspätung sind
wir dann in Jaunde Hauptbahnhof eingefahren. Zusammenfassend, und
da waren wir uns alle einig, war es eine sehr sehr schöne Tour.
Wir haben in den 4 Tagen viel erlebt und bis auf die Rückfahrt
war einfach alles perfekt.
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