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Maroua,
die viertgrößte Stadt des Landes, hat ca.150 000 Einwohner.
Die Stadt ist wegen der Gegensätzlichkeit zu den Städten
im Süden einfach faszinierend. Das Stadtbild ist nicht geprägt
von gelben Taxis, Zeit ist noch unwichtiger als z.B. in Jaunde und
die Leute sind erstaunlich freundlich. Maroua ist islamisch geprägt,
deshalb sind hier auch die Moscheen Mittelpunkt der Stadt. Überall
kann man Leute sehen, die beten oder sich für das Gebet vorbereiten.
Fortbewegungsmittel ist das Moped, selbstverständlich als Taxi.
Für umgerechnet 30 Pfennige wird man in der Stadt "umherkutschiert".
Es ist ein irres Gefühl, wenn man den heißen Fahrtwind
als Fön nutzen kann und nasse Haare schon nach 200m trocken
sind. Es kann dann schon mal passieren, daß das Moped aus
Benzinmangel stehen bleibt. Witzig ist, daß es an jeder Ecke
eine mobile Tankstelle gibt. Dort wird das Benzin in Flaschen zu
30 Pf. verkauft. Jetzt denkt jeder, daß alles 100 FCFA oder
30 Pf. kostet. Das ist aber wirklich so, viele Sachen kosten hier
so viel.
Gerberei: Hat auf jeden Fall einen tiefen Eindruck
hinterlassen! Das ist sicher einer der übelsten Jobs auf der
Welt, besonders für die Kinder, die leider hier arbeiten! Die
Gerber stehen bis zu den Knien in Erdlöchern, die mit einer
penetrant stinkenden Lauge (Gerbflüssigkeit) gefüllt sind.
Die Gerbflüssigkeit besteht aus Holzkohle, Kalk, dem Mist bestimmter
Vögel, zerstampften Samen einer Akazienart und Wasser. Gegen
eine kleine Gebühr wird man von einem Arbeiter herumgeführt
und man bekommt jeden Arbeitsschritt genau erklärt. Einer sitzt
auf einem riesigen Haufen Tierhaaren und schabt das Fell von den
Häuten ab. Erst nach Tagen oder Wochen sind die Häute
fertig und können weiterverarbeitet werden. Gegerbt werden
Ziegen-, Schafs-, Rinder-, Krokodil- und Schlangenhäute. Die
gegerbten Häute werden dann zu Schuhen, Brieftaschen, Sandalen
oder Taschen verabreitet . Wem's hier nicht schlecht wird, ist selbst
schuld...
Ansonsten gibt es in Maroua noch einen traditionellen Kunsthandwerksmarkt,
einen Schlachthof (den wir nach dem Besuch der Gerberei verständlicherweise
nicht besichtigen wollten) und eine Schmiede. Hier kommt man sich
vor wie im Mittelalter. Unter wellblechbedeckten Ständen wird mit
primitivsten Werkzeugen gehämmert und gefeilt. Die "Endprodukte"
(Messer, Schaufeln, Hacken) werden gleich zum Kauf angeboten. Nirgendwo
sonst in Kamerun ist das Handwerk so ausgeprägt. Wenn man ein
wenig sucht, kann man unter Umständen einige sehr schön
gearbeitete Schmuckstücke oder andere Kunsthandwerkssachen
finden. Sehr schöne Lederwaren findet man z.B. in der kleinen
Boutique im Hotel "Porte Mayo". Im Garten des Hotels bieten
einige Händler ihre Kunsthandwerksachen an. Sobald sie merken,
daß man Deutscher ist, fangen sie an, ihre paar Brocken Deutsch
zum Besten zu geben. "Heute nix teuer- morgen teuer".
"Nix Schuhcreme, alles echt". " Na kuck mal"
.
Pouss
So
ein verdammt heißer Tag! Unsere Tour im Norden sah unter anderem
auch einen Ausflug nach Pouss und den Maga-Stausee vor. Auf dem
Magasee wollten wir uns eigentlich Hippos, also Nilpferde ansehen.
Aber: Es war so verdammt heiß an diesem Tag und in dem Boot
gab es keinerlei Schatten, so daß wir es lieber haben sein
lassen. Gut so, denn in der Sonne wären wir bestimmt gebraten
worden. Zu allem Pech hatten wir dann noch am Rande des Stausees
einen Platten. Die paar Minuten in der Mittagssonne kamen uns vor
wie eine halbe Ewigkeit. Unser Trinkwasser hatte sich auch schon
auf über 30°C erwärmt und dennoch waren wir guter
Dinge. In Pouss hatten wir dann eine Audienz beim Sultan. Das war
schon echt lustig in seinem Palast. Wir mußten ihm dann auch
Rede und Antwort stehen über unsere Heimat und so in der Art.
Kaum zu glauben, der Typ hatte 6 Finger an jeder Hand. Ob ihn das
wohl zum Sultan gemacht hat?
Da wir bei dieser Hitze dann doch nicht so unternehmungslustig
waren, hatten wir beschlossen, das Programm etwas zu kürzen.
Den Markt haben wir kurz besucht, bevor wir uns dann die kunstvollen
Kuppelbauten der Mousgoum angeschaut haben. Diese Lehmhütten
werden "Cases obus" genannt und traditionell von den Frauen
gebaut. Der Bau einer solchen Case benötigt mindestens einen
Monat harte Arbeit. Diese Cases, die wir besichtigt haben, waren
aber nur für die paar "Touris" gebaut worden, die
sich nach Pouss verirren.
Die berühmten Kalebassenfrauen in Tourou
Oudjilla
Noch
so einen heißen Tag haben wir beim Ausflug nach Oudjilla erwischt.
Bei Temperaturen von knapp 50°C im Schatten war alles doppelt
so schwer. Aber der Reihe nach. Nachdem wir in den Waza Park mit
einem Geländewagen (gemietet im Hotel) gefahren sind und das
auf die Dauer ganz schön ins Geld ging, haben wir uns in Maroua
nach einem Auto mit Fahrer umgesehen. Nach kurzer Zeit hatten wir
dann auch einen Toyota Corolla mit Fahrer gefunden. Der Fahrer (Karim)
hat uns versichert, daß es gar kein Problem sei, mit diesem
Auto nach Oudjilla zu fahren. Genau das wollten wir auch hören.
Wir wollten uns nämlich schon vor der Abfahrt sicher sein,
daß keine unnötigen Anstrengungen (wie ein Fußmarsch)
auf uns zukommen werden. Pünktlich hat er uns am nächsten
Morgen vor dem Hotel abgeholt. Die Fahrt war sehr angenehm, bis
die Piste angefangen hat. Einzelne Steine konnte man sehr gut unter
dem Sitz fühlen. Irgendwann mußte dann auch der Fahrer
einsehen, daß es nicht mehr weiter geht. Was nimmt man hier
nicht alles in Kauf, um ein bißchen Geld zu verdienen...
Oudjilla liegt auf einem 800 Meter hohen Berg und
ist berühmt für seinen " Sichel-Tanz". Das Oberhaupt
des Dorfes lebt in einem riesigen Saré. Er hat ca. 60 Frauen
und unzählige Kinder. Jede Frau hat eine eigene Hütte,
zwei Speicher, und eine Küche. Doch erst einmal mußten
wir von dem steckengebliebenen Auto zum Dorf gelangen. Einige Jungen
hatten uns schon von weitem bemerkt und sich als Führer angeboten.
Wir haben sie gefragt, wie weit es denn noch sei bis zu ihrem Dorf.
Nach ihrer Meinung nach lag das Dorf gleich um die nächste
Kurve. Wir wußten gar nicht mehr, wieviele letzte Kurven es
noch waren. Nur eins wußten wir genau, man muß diese
Bengel erwürgen. Völlig ausgelaugt sind wir dann im Dorf
angekommen, da wir nun doch genau in der Mittagssonne zu Fuß
marschiert sind, wobei die Einheimischen im Schatten lagen und jegliche
Anstrengung vermieden. Viele Eingeborene standen um uns herum und
wollten uns den Palast des Dorfchefs zeigen. Natürlich sollte
das nicht gratis sein. Doch als sie uns mit ihren Preisvorstellungen
konfrontiert hatten, mußten wir erst mal kräftig schlucken.
Also so etwas unverschämtes und touristisch versautes haben
wir noch nicht erlebt. Da die Dorfbesichtigung Bestandteil fast
aller organisierter Ausflüge von kamerunischen Reisebüros
ist, ist der Preis echt unakzeptabel. Man sagte uns, ob 100 Mann
kommen oder einer, es ist immer der gleiche Preis. Danke und Auf
Wiedersehen. Diese Strapazen hätten wir uns sozusagen sparen
können. Vor allem, wenn man bedenkt, daß unsere beiden
Freundinnen am nächsten Tag einen echten Sonnenstich hatten
und mit Schüttelfrost im Bett lagen. Zumindest wir können
aber behaupten, daß sich die Tour allein wegen der zauberhaften
und einzigartigen Landschaft gelohnt hat.
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------ Pouss ------





---- Oudjilla ------





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