Unser Wohnsitz bis Juli 2000 -
 die Haupstadt Jaunde
Provinz Centre


Schönes Museum in Jaunde

Unser Leben in Kameruns Hauptstadt Jaunde

Die zweitgrößte Stadt des Landes ist Hauptstadt und seit Oktober 1996 unser ständiger Wohnsitz. Jaunde liegt auf ca. 700 Meter, umgeben von vielen kleinen Bergen. Diese Höhe macht das Klima erträglich. Wir haben meist Temperaturen zwischen 18°C und 32°C. Wobei man dazu sagen muß, daß wir nur ganz selten Temperaturen unter 20°C haben. Bei Temperaturen um die 20°C empfinden wir es dann als saukalt und suchen die paar langen Sachen, die wir haben.

Jaunde (Yaoundé)

Unser Häuschen, das wir nach fast 2monatiger Wohnungssuche gefunden haben, liegt im Stadtteil Bastos, wo die meisten "Weißnasen" und Diplomaten wohnen. Hier haben wir uns im Dezember '96 eingerichtet. Die ersten Tage waren schon verrückt. Bis man dann seinen ganzen Kram aufgebaut, angeschlossen und eingeräumt hat, dauert es eine ganze Weile. Danach hätten wir bestimmt bei jeder IKEA-Aufbau-Meisterschaft gewonnen. Unser Häuschen hat sage und schreibe 5 Toiletten, 3 Bäder, 3 Schlafzimmer, ein schönes Wohnzimmer und eine kleine Terrasse. Das alles ist ganz normal - im Gegenteil: wir haben (Gott sei dank) ein kleines Haus gefunden. Ein kleiner Garten ist auch noch dabei, also alles in allem: ganz schön für die erste "eigene" Bleibe.

Als Hauptstadt hat Jaunde nicht sehr viel zu bieten. Sehr große Auswahl an Freizeitmöglickeiten gibt es nicht. Man kann viel Sport treiben, z.B.Schwimmen, Tennis spielen oder Golfen - wer darauf steht -. Ansonsten gibt es noch 2 Kinos, die man aber nicht mit den europäischen vergleichen kann (wenn man Pech hat, kriegt man einen Stehplatz!). Die abendlichen Aktivitäten beschränken sich meist auf Restaurant-Besuche oder private Parties, bei denen sich die Gastgeber bzw. deren Köche mit Leckereien ständig zu überbieten versuchen...

Discos und Nachtclubs: sind laut, dunkel, überfüllt und sehr teuer. Ein Bier 0,33l, Cola u.ä. kosten zwichen 10,-DM und 15,-DM. Na dann Prost! Mixgtränke sind meist super schlecht. Es wird zu 95% afrikanische Musik gespielt, zu der dann die schweißüberströmten Kameruner wie die Wilden tanzen. Als Mann muß man sich auch in Begleitung seiner Frau gegen die Mädchen (meist Prostituierte) zur Wehr setzen. Also so richtig Fun ist das nicht. Spaßfaktor für uns persönlich = 0.

Restaurants: die meisten Restaurants bieten französische oder kamerunische Küche. Es gibt aber auch italienische oder chinesische Restaurants. Seit neustem (Jan.2000) kann man sich die Pizzen auch nach Hause liefern lassen. Da die Preise genau so hoch oder höher sind als in Deutschland, sieht man in den Restaurants meist nur Weißnasen oder reiche Kameruner, außer wenn man natürlich lokal auf der Strasse oder in Straßenkneipen verkehrt. Nach einiger Zeit hat man aber so ziemlich alle Kneipen abgegrasst und muß dann wieder von vorne anfangen. 1999 wurde aber auch diese Abendbeschäftigung immer gefährlicher, da seit April ständig bewaffnete Überfalle auf die Restaurants verübt wurden. Da bleibt man dann doch lieber zu Hause und erfreut sich an dem einzigen Fernsehprogramm, das wir empfangen. Seit Jan. 2000 hat sich die Sicherheitslage, nach zum Teil massiven Problemen gerade in Douala, wieder verbessert. Die Banditen wurden regelrecht auf frischer Tat über den Haufen geschossen. Wie lange es jedoch ruhig bleibt, kann man nie sagen.

Märkte: Davon gibt es reichlich viele. Eigentlich ist ja überall Markt. An jedem Straßenrand werden Obst, Gemüse und Erdnüsse verkauft. Daneben gibt's u.a. noch sehr empfehlenswerte Schuhmärkte, wo Susan die ersten "Birkenstocks" ihres Lebens für umgerechnet 12,-- DM gekauft hat. Der Preis ist natürlich immer Verhandlungssache. Wenn man nicht mehr als ein Drittel des ursprünglich genannten Preises zahlt, hat man nicht viel falsch gemacht. Jaundes beeindruckendster Markt ist wohl der namens Mokolo. Hier gibt es einfach alles: Klamotten, Schuhe, Stoffe, Bürobedarf, eine interessante Auswahl an Arzneimitteln sowie eine Lebensmittelabteilung, für deren Besuch man allerdings einiges vertragen sollte. Die Ausmaße dieses Markts sind erstaunlich. Teilweise ist er überdacht. In den einzelnen Bruchbuden haben die Händler ihre Nischen und zwischendrin sitzen zahlreiche Schneider und rattern auf ihren Uralt-Nähmaschinen hin und her. So eine riesige Auswahl an Schuhen wie hier sieht man wirklich selten. Sie sind sowohl gebraucht als auch neu und werden vor Ort ständig geschrubbt und poliert. Bei den Klamotten kann man auch so einige Schnäppchen schlagen und fragt sich oft, warum die Leute in Europa diese einwandfreien Sachen weggeben. Oft sind Original-C&A-Schilder zu sehen oder man kauft Markenware zu einem Bruchteil des normalen Preises. Vielleicht findet man auch seine eigenen Sachen, die man im guten Glauben in die Altkleidersammlung geworfen hat. Alles für die armen Menschen. Wieviel Geld andere damit aber noch verdienen, will man in Deutschland. nicht wahr haben. Leider lassen sich die Eindrücke von diesem Markt nicht besonders gut schildern - da muß man einfach selbst gewesen sein. Fotos kann man in der großen Menschenmenge und als Weißer auch nicht machen. Man ist ja froh, wenn einem das tief in den Hosentaschen vergrabene Geld nicht abgenommen wird. Weitere Markterfahrung kann man im "Artisanat", dem Kunsthandwerkszentrum, sammeln. Wenn man sich hier öfter blicken läßt und den Händlern bekannt ist, wird man auch in Ruhe gelassen. Ansonsten sind die Händler recht aufdringlich und verlangen utopische Preise für eigentlich wertlose oder schlecht verarbeitete Sachen. Die meisten Holzgegenstände werden mit Schuhcreme poliert, damit auch die billigsten Hölzer wie edles Tropenholz aussehen.

Straßenverkehr: "Oh Gott"! Also, wo die Kameruner das Autofahren gelernt haben, haben wir in den letzten Jahren noch nicht herausfinden können - mal abgesehen davon, daß man auch den Führerschein problemlos käuflich erwerben kann. Wahrscheinlich haben sie auch das Autofahren von den Franzosen, wenn man sich den Straßenverkehr in Paris anschaut. Wenn man hier heil von einem Stadtende zum anderen kommt, sollte man eigentlich immer 3 Kreuze machen. Manchmal sieht man nur noch GELB; das ist die Farbe der Taxis. Mal abgesehen von der Verkehrssicherheit der Autos, sind die Taxifahrer unberechenbar. In Kamerun fährt ja jeder Taxi, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Sie stehen verrottet und in Reih und Glied im "Busbahnhof". Für uns sind solche Sachen bis heute völlig unverständlich, obwohl wir uns bemühen. Zurück zu den Taxis: der Fahrpreis für eine Fahrt innerhalb des Stadtzentrums beträgt ca. 50 Pfennige. Einmal sollte man mit solch einem Gefährt schon gefahren sein, tagsüber natürlich. Wenn man Glück hat, erwischt man ein gutes Taxi, bei dem die hintere Sitzbank kein Stück Brett ist. Wenn man dann noch mehr Glück hat, dann muß man das Taxi nicht mit 6 anderen Leuten teilen. Man hat hier scheinbar noch eine ganz andere Beziehung zum Auto. Da wird beladen, bis die Kiste auseinanderfällt. Diese Buschtaxis sind dabei wohl die ungeschlagenen Weltmeister. 20 Mann in einem Kleinbus sind keine Seltenheit. Ob die Fahrer Drogen nehmen oder einfach Idioten sind, wissen wir nicht. Wie wäre es sonst zu erklären, daß dermaßen überladene Busse mit 130km/h über die Straße donnern und dabei vorzugsweise in Kurven zu den tollsten Überholmanövern ansetzen. Das soll natürlich nicht heißen, daß wir Deutschen Engel sind - ganz im Gegenteil. Es glauben ja immer mehr Leute, sie wären Michael Schuhmacher.

Aber man kann manchmal auch echt witzige Sachen beobachten. Auf einem Platz unter freiem Himmel z.B. gibt es eine große öffentliche Schreibstube. Hier stehen viele alte Schreibmaschinen und Kopierer, mit denen man sich offizielle Dokumente oder Briefe schreiben lassen kann. Leute, die nicht schreiben können, sind nicht selten. Das Foto entstand, obwohl man versuchte, uns die Kamera aus den Händen zu reissen. Einen ganz anderen Blick kann man vom Hilton Hotel auf die Stadt bekommen. Hier kann man ungestört Fotos von Jaunde schiessen.


Unser Zuhause

Chaos!?

Marktleben

Taxi in Jaunde

Überladen? Ach was!

verrotteter Nahverkehr

Nur ein kurzer Schauer

Der Copyshop von Jaunde

Kreisverkehr

Hinter dem Hilton

Bankgebäude

Rue de 20 mai


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