| Jaunde (Yaoundé)
Unser Häuschen, das wir nach fast 2monatiger Wohnungssuche
gefunden haben, liegt im Stadtteil Bastos, wo die meisten "Weißnasen"
und Diplomaten wohnen. Hier haben wir uns im Dezember '96 eingerichtet.
Die ersten Tage waren schon verrückt. Bis man dann seinen ganzen
Kram aufgebaut, angeschlossen und eingeräumt hat, dauert es
eine ganze Weile. Danach hätten wir bestimmt bei jeder IKEA-Aufbau-Meisterschaft
gewonnen. Unser Häuschen hat sage und schreibe 5 Toiletten,
3 Bäder, 3 Schlafzimmer, ein schönes Wohnzimmer und eine
kleine Terrasse. Das alles ist ganz normal - im Gegenteil: wir haben
(Gott sei dank) ein kleines Haus gefunden. Ein kleiner Garten ist
auch noch dabei, also alles in allem: ganz schön für die
erste "eigene" Bleibe.
Als Hauptstadt hat Jaunde nicht sehr viel zu bieten.
Sehr große Auswahl an Freizeitmöglickeiten gibt es nicht.
Man kann viel Sport treiben, z.B.Schwimmen, Tennis spielen oder
Golfen - wer darauf steht -. Ansonsten gibt es noch 2 Kinos, die
man aber nicht mit den europäischen vergleichen kann (wenn
man Pech hat, kriegt man einen Stehplatz!). Die abendlichen Aktivitäten
beschränken sich meist auf Restaurant-Besuche oder private
Parties, bei denen sich die Gastgeber bzw. deren Köche mit
Leckereien ständig zu überbieten versuchen...
Discos und Nachtclubs: sind laut, dunkel, überfüllt
und sehr teuer. Ein Bier 0,33l, Cola u.ä. kosten zwichen 10,-DM
und 15,-DM. Na dann Prost! Mixgtränke sind meist super schlecht.
Es wird zu 95% afrikanische Musik gespielt, zu der dann die schweißüberströmten
Kameruner wie die Wilden tanzen. Als Mann muß man sich auch
in Begleitung seiner Frau gegen die Mädchen (meist Prostituierte)
zur Wehr setzen. Also so richtig Fun ist das nicht. Spaßfaktor
für uns persönlich = 0.
Restaurants: die meisten Restaurants bieten französische
oder kamerunische Küche. Es gibt aber auch italienische oder
chinesische Restaurants. Seit neustem (Jan.2000) kann man sich die
Pizzen auch nach Hause liefern lassen. Da die Preise genau so hoch
oder höher sind als in Deutschland, sieht man in den Restaurants
meist nur Weißnasen oder reiche Kameruner, außer wenn
man natürlich lokal auf der Strasse oder in Straßenkneipen
verkehrt. Nach einiger Zeit hat man aber so ziemlich alle Kneipen
abgegrasst und muß dann wieder von vorne anfangen. 1999 wurde
aber auch diese Abendbeschäftigung immer gefährlicher,
da seit April ständig bewaffnete Überfalle auf die Restaurants
verübt wurden. Da bleibt man dann doch lieber zu Hause und
erfreut sich an dem einzigen Fernsehprogramm, das wir empfangen.
Seit Jan. 2000 hat sich die Sicherheitslage, nach zum Teil massiven
Problemen gerade in Douala, wieder verbessert. Die Banditen wurden
regelrecht auf frischer Tat über den Haufen geschossen. Wie
lange es jedoch ruhig bleibt, kann man nie sagen.
Märkte: Davon gibt es reichlich viele.
Eigentlich ist ja überall Markt. An jedem Straßenrand
werden Obst, Gemüse und Erdnüsse verkauft. Daneben gibt's
u.a. noch sehr empfehlenswerte Schuhmärkte, wo Susan die ersten
"Birkenstocks" ihres Lebens für umgerechnet 12,--
DM gekauft hat. Der Preis ist natürlich immer Verhandlungssache.
Wenn man nicht mehr als ein Drittel des ursprünglich genannten
Preises zahlt, hat man nicht viel falsch gemacht. Jaundes beeindruckendster
Markt ist wohl der namens Mokolo. Hier gibt es einfach alles: Klamotten,
Schuhe, Stoffe, Bürobedarf, eine interessante Auswahl an Arzneimitteln
sowie eine Lebensmittelabteilung, für deren Besuch man allerdings
einiges vertragen sollte. Die Ausmaße dieses Markts sind erstaunlich.
Teilweise ist er überdacht. In den einzelnen Bruchbuden haben
die Händler ihre Nischen und zwischendrin sitzen zahlreiche
Schneider und rattern auf ihren Uralt-Nähmaschinen hin und
her. So eine riesige Auswahl an Schuhen wie hier sieht man wirklich
selten. Sie sind sowohl gebraucht als auch neu und werden vor Ort
ständig geschrubbt und poliert. Bei den Klamotten kann man
auch so einige Schnäppchen schlagen und fragt sich oft, warum
die Leute in Europa diese einwandfreien Sachen weggeben. Oft sind
Original-C&A-Schilder zu sehen oder man kauft Markenware zu
einem Bruchteil des normalen Preises. Vielleicht findet man auch
seine eigenen Sachen, die man im guten Glauben in die Altkleidersammlung
geworfen hat. Alles für die armen Menschen. Wieviel Geld andere
damit aber noch verdienen, will man in Deutschland. nicht wahr haben.
Leider lassen sich die Eindrücke von diesem Markt nicht besonders
gut schildern - da muß man einfach selbst gewesen sein. Fotos
kann man in der großen Menschenmenge und als Weißer
auch nicht machen. Man ist ja froh, wenn einem das tief in den Hosentaschen
vergrabene Geld nicht abgenommen wird. Weitere Markterfahrung kann
man im "Artisanat", dem Kunsthandwerkszentrum, sammeln.
Wenn man sich hier öfter blicken läßt und den Händlern
bekannt ist, wird man auch in Ruhe gelassen. Ansonsten sind die
Händler recht aufdringlich und verlangen utopische Preise für
eigentlich wertlose oder schlecht verarbeitete Sachen. Die meisten
Holzgegenstände werden mit Schuhcreme poliert, damit auch die
billigsten Hölzer wie edles Tropenholz aussehen.
Straßenverkehr: "Oh Gott"!
Also, wo die Kameruner das Autofahren gelernt haben, haben wir in
den letzten Jahren noch nicht herausfinden können - mal abgesehen
davon, daß man auch den Führerschein problemlos käuflich
erwerben kann. Wahrscheinlich haben sie auch das Autofahren von
den Franzosen, wenn man sich den Straßenverkehr in Paris anschaut.
Wenn man hier heil von einem Stadtende zum anderen kommt, sollte
man eigentlich immer 3 Kreuze machen. Manchmal sieht man nur noch
GELB; das ist die Farbe der Taxis. Mal abgesehen von der Verkehrssicherheit
der Autos, sind die Taxifahrer unberechenbar. In Kamerun fährt
ja jeder Taxi, denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es seit
einigen Jahren nicht mehr. Sie stehen verrottet und in Reih und
Glied im "Busbahnhof". Für uns sind solche Sachen
bis heute völlig unverständlich, obwohl wir uns bemühen.
Zurück zu den Taxis: der Fahrpreis für eine Fahrt innerhalb
des Stadtzentrums beträgt ca. 50 Pfennige. Einmal sollte man
mit solch einem Gefährt schon gefahren sein, tagsüber
natürlich. Wenn man Glück hat, erwischt man ein gutes
Taxi, bei dem die hintere Sitzbank kein Stück Brett ist. Wenn
man dann noch mehr Glück hat, dann muß man das Taxi nicht
mit 6 anderen Leuten teilen. Man hat hier scheinbar noch eine ganz
andere Beziehung zum Auto. Da wird beladen, bis die Kiste auseinanderfällt.
Diese Buschtaxis sind dabei wohl die ungeschlagenen Weltmeister.
20 Mann in einem Kleinbus sind keine Seltenheit. Ob die Fahrer Drogen
nehmen oder einfach Idioten sind, wissen wir nicht. Wie wäre
es sonst zu erklären, daß dermaßen überladene
Busse mit 130km/h über die Straße donnern und dabei vorzugsweise
in Kurven zu den tollsten Überholmanövern ansetzen. Das
soll natürlich nicht heißen, daß wir Deutschen
Engel sind - ganz im Gegenteil. Es glauben ja immer mehr Leute,
sie wären Michael Schuhmacher.
Aber man kann manchmal auch echt witzige Sachen beobachten. Auf
einem Platz unter freiem Himmel z.B. gibt es eine große öffentliche
Schreibstube. Hier stehen viele alte Schreibmaschinen und Kopierer,
mit denen man sich offizielle Dokumente oder Briefe schreiben lassen
kann. Leute, die nicht schreiben können, sind nicht selten.
Das Foto entstand, obwohl man versuchte, uns die Kamera aus den
Händen zu reissen. Einen ganz anderen Blick kann man vom Hilton
Hotel auf die Stadt bekommen. Hier kann man ungestört Fotos
von Jaunde schiessen.
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